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Horst Jüssen Joseph Satan
JOSEPH SATAN deckt die Gründe und Gefühle eines von Ehrgeiz und Hass zerfressenen Intellektuellen auf, indem er dessen Familienverhältnisse, seinen Werdegang und seine letzten Stunden anhand von Quellen, Auszügen aus Tagebüchern und Hintergrundinformationen dokumentiert. Eine Mischung aus Fakt und Fiktion, Alltags- und Ereignisgeschichte, gut recherchierten Tatsachen und unterhaltenden, anekdotischen Passagen. Farbige, auch psychologisch überzeugende Bilder runden die Zusammenschau von Politischem, Persönlichem und Ideologischem ab. Diese Biografie dient als Anregung, um über die „Banalität des Bösen“ nachzudenken. Am Beispiel Joseph Goebbels wird psychologisch aufgearbeitet, warum ein Mensch so wird wie er sich entwickelt hat. Es war ja nicht nur der machtgierige Propagandaminister, der sich durch äußerste Brutalität auszeichnete, es waren Hunderttausende, denen auch nicht in die Wiege gelegt worden war, dass sie einmal hemmungslose KZ-Aufseher, SS-Leute oder Blutrichter werden würden. Adolf Hitler war kein Intellektueller, sondern besaß lediglich die Fähigkeit, alles Gelesene speichern, und es bei Bedarf abzurufen zu können. Dadurch entstand dieser Pseudo-Eindruck, dass er über ein großes Wissen verfügen würde. Zum logischen Denken, dem Erkennen von größeren Zusammenhängen oder strategischen Planen war er nicht fähig. Das hatte Goebbels schnell erkannt und nutzte es, um sich unentbehrlich zu machen. Goebbels empfahl ihm, das Gerücht von dem Verhältnis mit Eva Braun in die Welt zu setzen, um so von seiner Homosexualität abzulenken. Er war es, der den ‚böhmischen Gefreiten’ ermutigte, den Oberbefehl über die Wehrmacht zu übernehmen. Goebbels schürte Hitlers Hass auf die Juden, weil sich sein eigener im Laufe der Zeit bis zur Besessenheit steigerte. Eine Abneigung, die aus dem Nichts zu kommen schien. Schonungslos beschreibt Jüssen den pedantischen Charakter, die apodiktischen Wertungen und fanatischen Depressionen des größten Manipulatoren seiner Zeit. In der Rolle des Don Juan kompensierte er seinen Minderwertigkeitskomplex und verschaffte seiner unersättlichen Begierde Genugtuung. Egozentrisch, eitel und machtgierig auf der einen Seite, auf der anderen unsicher, sentimental und voller Selbstmitleid war dieser wohl intelligenteste der Nazi-Größen. Jüssen zweifelt auch an der ‚Heldenrolle’ der Attentäter des 20. Juli. Mag die Negation der Behandlung der Juden vor dem Krieg noch dem allgemeinen Zeitgeist entsprochen haben, so müssten den Herren Offizieren spätestens beim Polenfeldzug mit seinem sinnlosen Morden an der Zivilbevölkerung und der planmäßigen Vernichtung der jüdischen Rasse Zweifel an den Befehlen ihres Oberbefehlshabers gekommen sein. Als Generalfeldmarschall Paulus im März 1943 in Stalingrad kapitulierte, und jedem Obergefreiten klar war, dass dieser Krieg verloren war, schickten sie aber Millionen Soldaten noch in den Tod, bevor sie sich sechzehn Monate später zu diesem Attentat entschlossen. Als die Deutschen nach dem Krieg dringend den Beweis brauchten, dass es auch ‚gute Deutsche’ gab, trafen sie die falsche Entscheidung. Die kirchlichen Widerstandsgruppen und insbesondere die Mitglieder der „Weißen Rose“ wären ein besseres Beispiel gewesen.
In JOSEPH SATAN werden die Großen und die Chargen des Naziregimes so eindeutig gezeichnet, dass dieses Buch in die Hand jedes Neo-Nazis gehört. Es öffnet ihnen die Augen über die Verbrecher, die sie zu Idolen machen wollen, und könnte, im optimistischen Falle, das Denken Ewiggestriger korrigieren
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